Erprobungsstufe

„Aller Anfang ist schwer“

Dies wussten bereits die alten Römer und dies gilt auch für den schulischen Neustart an einer weiterführenden Schule. Für die damit oft verbundenen Schwierigkeiten und zum Teil sogar Ängste gibt es eine Vielzahl von Gründen. Die Kinder nehmen Abschied von ihrer bisherigen Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer und der mittlerweile vertraut gewordenen Lernumgebung. Hier waren die Schülerinnen und Schüler mittlerweile die „Großen“. Hier kannten sie sich aus. Hier hatten sie ihre Freundinnen und Freunde.

Was sie an der neuen Schule erwartet, wissen sie nicht. Klar ist jedoch: das neue Gebäude ist viel größer, die meisten Mitschülerinnen und Mitschüler und alle Lehrerinnen und Lehrer in der neuen Klasse werden unbekannt sein und auf dem Stundenplan stehen viel mehr Fächer.

Mit Blick auf diese Neuerungen ist es uns besonders wichtig, dass sich die Kinder möglichst rasch in ihrer neuen Klassengemeinschaft wohl fühlen und trotz der bevorstehenden Anstrengungen und Mühen gerne ans HeiG kommen. Damit Sie im Vorfeld einen Eindruck davon erhalten, was Ihr Kind erwartet, lade ich Sie zu einem kurzen Streifzug durch die ersten beiden Jahre am HeiG ein.

Die Zusammensetzung der Klassen

Um den Übergang von der Grundschule ans Heisenberg-Gymnasium für Ihre Kinder so angenehm wie möglich zu machen, gilt schon der Klassenzusammensetzung eine besondere Aufmerksamkeit. Dabei sollen in der Regel Schülerinnen und Schüler aus einer Grundschulklasse auch bei uns in einer Klasse bleiben. Bereits bestehende Freundschaften sollen so die Basis für die neue Klassengemeinschaft bilden. Grenzen werden diesem Prinzip allerdings durch unsere beiden Eingangsprofile (die Musikklasse und die Englischklasse), ein möglichst ausgewogenes Geschlechterverhältnis und die maximale Klassenstärke gesetzt. Zudem versuchen wir individuelle Wünsche bei der Klassenbildung zu berücksichtigen. Dies gilt für besonders „dicke Freunde“, aber auch für „langjährige Streithähne“, damit sich Antipathien und Streitigkeiten aus der Grundschule nicht in der neuen Klasse fortsetzen. Als Eltern lernen Sie die Elternseite der neuen Klassenzusammensetzung und die Klassenlehrer erstmals am Informationsabend kennen, der immer im Mai stattfindet. Hier erhalten Sie auch einen Überblick über die benötigten Materialien und haben Gelegenheit Fragen zu stellen.

Der Start ins neue Schulleben

Das eigentliche Schuljahr beginnt für Ihr Kind nach den Sommerferien einen Tag verspätet, mit der Einschulungsfeier im PZ, deren Beginn ein interreligiöser Gottesdienst mehrerer Religionen bildet. Mit diesem festlichen Auftakt soll die Bedeutung dieses Tages für Ihr Kind entsprechend gewürdigt werden. Nach der Feier endet der Schultag allerdings noch nicht. Damit sich die Klassenlehrer und die Schülerinnen und Schüler kennenlernen können, geht es im Anschluss für etwa zwei Stunden in die Klassenräume. Die beiden folgenden Schultage bildet das Einführungsprojekt. Diese Zeit dient dazu, Ihren Kindern die Gelegenheit zu geben, richtig an der Schule, im neuen Klassenraum und in der neuen Klassengemeinschaft „anzukommen“. Unter anderem werden Kennenlernspiele und eine Schulrallye durchgeführt, die vorläufige Sitzordnung wird festgelegt und die Regeln für das Zusammenleben besprochen. 

Unser Konzept in der Erprobungsstufe

Mit dem fünften Schuljahr tritt Ihr Kind in die so genannte Erprobungsphase ein, die die beiden Schuljahre 5 und 6 umfasst. Im Schulgesetz heißt es hierzu: „Die Erprobungsphase dient der Erprobung, Förderung und Beobachtung der Schülerinnen und Schüler, um in Zusammenarbeit mit den Eltern die Entscheidung über die Eignung der Schülerinnen und Schüler für die gewählte Schulform sicherer zu machen“. Nach dem gemeinsamen Lernen an der Grundschule haben die Schülerinnen und Schüler nun also zwei Jahre Zeit, die neue Schulform „Gymnasium“ zu erproben. Da die Erprobungsstufe eine pädagogische Einheit bildet, gehen die Kinder automatisch am Ende der fünften Klasse in den sechsten Jahrgang über. Wenn am Ende des sechsten Jahrgangs die neue Schulform erfolgreich erprobt worden ist, erfolgt eine Versetzung in den siebten Jahrgang - damit beginnt die Mittelstufe.

Beim Start in die Erprobungsstufe bieten wir je nach Interessenslage und Leistungsvermögen Ihres Kindes neben den „normalen“ Klassen zwei Profile an:

  1. die bilinguale Klasse Englisch
  2. die Streicherklasse

Nähere Informationen hierzu erhalten Sie auf unserer Informationsveranstaltung im Januar oder in der Präsentation zur Erprobungsstufe.

Die Erprobungsstufe ist eine Phase der intensiven und kontinuierlichen Beobachtung. Um dies zu gewährleisten, achten wir auf eine möglichst konstante Lehrerbesetzung. Einen Wechsel von Klassenlehrern oder Fachlehrern wird es in der Regel im Verlauf der Erprobungsstufe nicht geben. Zudem werden die Klassen zumeist von zwei Klassenlehrerinnen bzw. Klassenlehrern betreut, die sich regelmäßig über ihre Klasse austauschen. Hierdurch ergibt sich die Möglichkeit, Ihr Kind aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen und Ihnen eine möglichst umfassende Rückmeldung über die Entwicklung Ihres Kindes zu geben. Zudem haben Sie und Ihr Kind zwei gleichberechtigte Ansprechpartner bei Problemen und Fragen.

Wenn Sie und Ihr Kind sich für das Heisenberg-Gymnasium entscheiden, entscheiden Sie sich für ein Gymnasium mit gebundenem Ganztag und achtjährigem Bildungsgang (G8). Hierdurch sind viele Rahmenbedingungen bezüglich der Fächerverteilung und den zu erteilenden Stunden festgelegt. Ein gewisser Teil kann aber auch noch schulspezifisch variiert werden. So unterrichten wir seit dem Schuljahr 2009/2010 in 60-Minuten-Stunden. Dies hat für Ihr Kind den Vorteil, dass es weniger Stunden an einem Tag hat und sich somit besser auf einzelne Inhalte konzentrieren kann. Zudem können im Unterricht längere Selbstlern- und Übungsphasen stattfinden. Für das HeiG ergeben sich für die beiden Jahrgänge der Erprobungsstufe die folgenden Stundenverteilungen:

Fach Jahrgang 5 Jahrgang 6
Deutsch 4 4
Englisch 4 4
Französisch/ Latein 0 4
Mathematik 4 4
Politik 1 0
Erdkunde 1 0
Geschichte 0 1
Biologie 1 1
Physik 0 2
Kunst  2 1
Musik 2 1
Religion 2 1-2
Sport/ Schwimmen 2 2
Klassenstunde 1 1
Medienerziehung 1 0
Arbeitsgemeinschaft 1 1

Der Schwerpunkt in der Erprobungsstufe liegt auf den „Hauptfächern“, da die dort trainierten Grundfertigkeiten (sprachliches Ausdrucks- und mathematisches Abstraktionsvermögen) einen enormen Einfluss auf die Leistungen in den anderen Fächern haben. Durch den zeitlichen Ausbau dieser Fächer besteht zudem die Möglichkeit durch Variation der Aufgabenstellungen intensiver auf die Bedürfnisse Ihres Kindes einzugehen, so dass der Förderunterricht harmonisch in den Regelunterricht integriert wird. Der sich daraus ergebende Stundenplan Ihres Kindes könnte dann folgendermaßen aussehen:

Mehr als nur „normaler“ Unterricht

Wohlwissend, dass erfolgreiches Lernen mehr ist als die Aneignung von Fachwissen, messen wir der Vermittlung und dem Training von Lern- und Arbeitsmethoden eine hohe Bedeutung bei. Diese werden an speziellen Methodentagen vermittelt, die mehrfach im Schuljahr stattfinden. Die Methoden werden anschließend im Unterricht mehrerer Fächer immer wieder aufgegriffen und gefestigt. Zur Zeit finden Methodentage zu den folgenden Themen statt, wobei weitere Tage in Planung sind: 

Jahrgang 5 Jahrgang 6
Lesetechniken, Markieren und Strukturieren von Texten Lerntechniken, Klassenarbeiten effektiv vorbereiten
Referate und Kurzvorträge erstellen Visualisierungstechniken

An diesen Tagen werden die Klassen jeweils von den beiden Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern in Doppelbesetzung unterrichtet, um eine möglichst intensive Unterstützung Ihrer Kinder zu gewährleisten.

Neben dem Methodenlernen bildet das Soziale Lernen einen wichtigen Teil des Schullebens. Um alle Schülerinnen und Schüler regelmäßig an der Lösung von Streitigkeiten und Klassenproblemen zu beteiligen, wird die Klassenstunde als Klassenrat genutzt, den viele Ihrer Kinder bereits aus der Grundschulde kennen. Im Stuhlkreis werden Themen der Schülerinnen und Schüler angesprochen und Lösungsmöglichkeiten überlegt und deren Erfolg überprüft. So trainieren die Kinder Mitbestimmung, schulen ihr sprachliches Ausdrucksvermögen und lernen Probleme selbständig zu lösen.

Als Ergänzung zum wöchentlichen „Sozialtraining“ findet im Laufe der Erprobungsstufe eine Klassenfahrt statt. Diese kann mit ihrem erlebnispädagogischen Schwerpunkt dazu beitragen, Gruppenprozesse anzustoßen und das Miteinander der Schülerinnen und Schüler zu fördern.

Die Zusammenarbeit und die Bedeutung der Eltern

Ein erfolgreiches Lernen der Kinder ist ohne eine Unterstützung der Eltern fast gar nicht bzw. nur sehr schwer möglich. Denn obwohl Ihr Kind einen erheblichen Teil des Tages bei uns verbringen wird, ist Ihr elterlicher Einfluss erheblich. Sie sind das Vorbild Ihres Kindes bezüglich seiner Lern- und Anstrengungsbereitschaft. Sie müssen Grenzen setzen, wenn die Freizeitbedürfnisse Ihres Kindes zu groß werden und sich dadurch die schulischen Leistungen verschlechtern. Sie müssen deutlich machen, dass Sie an dem schulischen Erfolg Ihres Kindes Interesse haben. Sie loben Ihr Kind für gute Leistungen und trösten es bei Misserfolgen. Eine Ganztagsschule kann viele Aufgaben übernehmen, die elterlichen Pflichten kann die Schule Ihnen aber nicht abnehmen.

Die Ausbildung Ihrer Kinder ist eine schwierige aber auch spannende und sicherlich lohnende Herausforderung, die wir nur miteinander erfolgreich bewältigen können. Unterstützen Sie deshalb unsere schulische Arbeit. Bleiben Sie mit uns in Kontakt, um uns über Ihr Kind auszutauschen. Von unserer Seite haben wir hierfür Sprechtage und Klassenpflegschaften eingerichtet. Sie können aber auch über das Sekretariat bei Bedarf Gesprächstermine mit Lehrerinnen und Lehrern Ihres Kindes außerhalb dieser festen Tage vereinbaren. Sollte der Austausch mit wenigen Sätzen erledigt sein, so können Sie auch einen Text in den Schulplaner Ihres Kindes schreiben. Der angesprochene Kollege oder die Kollegin wird Ihn dann antworten.

Ich wünsche Ihnen eine gute Wahl bei der Entscheidung für die zukünftige Schule Ihres Kindes und würde mich freuen, Sie und Ihr Kind bei uns begrüßen zu dürfen.

Jörg Rüwald (Erprobungsstufenkoordinator)